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Milchmarkt: Absturz? Newsletter vom 30-3-2026

Dairy Newsletter 30-3-26, Milchmarkt Neuigkeiten 30-3-26, Analysen, Prognosen, Handlungsempfehlungen

Je reicher die Blumenwiese, desto feiner der Käse. (Aus dem Notizbuch von unserem Antoine, dem Käsekünstler.)

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Dairy Newsletter 30-3-26, Milchmarkt Neuigkeiten 30-3-26, Analysen, Prognosen, Handlungsempfehlungen

Rückblick & Ausblick

Angeführt von Rahm und Butter haben fast alle Preise nach mehreren Wochen des Anstiegs nachgegeben. Eine Woche mit rückläufigen Preisen sind eine Konsolidierung und kein Trend. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Weltwirtschaft am Rande einer Rezession steht und je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, desto wahrscheinlicher wird eine globale Rezession. In diesem Fall könnte aus der Konsolidierung ein Trend werden.

Wer unseren Empfehlungen im Februar und Anfang März gefolgt ist, hat Q2 und Q3 tranchenweise zu tieferen Niveaus gesichert und verfügt heute über eine solide Absicherungsbasis.

Angesichts der aktuellen Preisniveaus passen wir unsere Strategie an: Für die noch offenen Restmengen empfehlen gezielt auf kurzfristige Dips zu warten und diese für zusätzliche Absicherungen nutzen. Wer sein Risiko vollständig eliminieren will, kann jetzt die Restmengen für Q2 absichern; für Ende Q3 ist ein Abwarten taktisch sinnvoller.

Milchanlieferungen in KW 11

  • Deutschland: Starker Anstieg +0,5% zu Vorwoche, +7,1% zu VJ
  • Frankreich: +5,5% über Vorjahreswoche.

Milchanlieferungen Jan–Feb 2026

  • Polen: +2,5%, Jan–Feb +3,5%
  • Niederlande: +5,4%, Jan–Feb +5,6%
  • USA:  +2,9%, Jan–Feb +3,2%
  • Neuseeland: +6,0%, Jan–Feb +3,7% vs. Vorjahr.

Flüssigmärkte:

Der europäische Spotmilchmarkt notiert in Woche 13 auf historisch tiefem Niveau. Dass Magermilchkonzentrat und Molkenkonzentrat beide bei €815/t liegen, illustriert die Schwere der aktuellen Überversorgungslage eindrücklich.

Käsemärkte:

Die europäischen Käsenotierungen zeigten in Woche 13 eine breite Korrektur nach unten: Die Marktstimmung bleibt verhalten. Mozzarella läuft in der EU, der Export schwächelt, Cheddar gibt weiter nach und Käufer agieren insgesamt sehr vorsichtig, weil unklar ist, wie sich die Nachfrage nach Ostern entwickelt. Käufer warten ab, die Nachfrageentwicklung nach Ostern ist ungewiss. Die Lager bei den Herstellern sind für die Jahreszeit historisch tief, eine kurzfristige Nachfrageschwäche nach Ostern dürfte daher keine Panik auslösen

Pulvermärkte:

Die Milchpulvermärkte zeigen ein gemischtes Bild: Lebensmittel‑SMP steigt leicht, während Futter‑SMP und Vollmilchpulver nachgeben, bleiben aber 5–10,5% über dem Vormonat. Gleichzeitig ziehen Molkenpulverpreise kräftig an (Food ca. 1'500 €/t, Feed 1'450 €/t), getrieben durch hohe WPC/WPI‑Preise und den Konkurrenzkampf mit SMP um Trocknungskapazitäten.

Milchfett

Der Milchfettmarkt steht zum Ende März unter deutlichem Druck: Rahm korrigierte scharf Butter moderater. Hohe Lagerbestände, starke Milchmengen und nachlassende Osternachfrage dürften den Druck in den kommenden Wochen aufrechterhalten. Es gibt allerdings tiefe Offerten von Tradern und die Preise für Mai/Juni tendieren eher schwächer.

Kieler Rohstoffwert Milch (ife) – März 2026

Der ife‑Rohstoffwert zieht im März 2026 an, bleibt aber deutlich unter dem Niveau von 2025. Dank stark steigenden SMP‑Preisen und leicht steigenden Butterpreisen.

37,8Cent/kg gegenüber Februar 2026: +11,5%. vs März 2025 -25,3%

Milchkuhbestände 2025 in der EU‑27 (Stabilisierung)

Gesamtbestand: 19,1 Mio. -0,7% zum Vorjahr.

Zuwächse: Deutschland (+0,2 %), Belgien (+0,8 %), Dänemark (+1,0 %), Estland (+2,3 %), Irland (+0,6 %), Italien (+0,4 %), Österreich (+0,1 %), Schweden (+1,9 %)

Rückläufig: Tschechien (–4,8 %), Griechenland (–4,7 %), Malta (–5,3 %), Slowenien (–3,4 %), Bulgarien (–2,6 %) Niederlande (–0,6 %), Polen (–0,7 %), Spanien (–1,6 %), Finnland (–1,5 %)

EU‑27 Exporte von Milchprodukten – Januar 2026

Deutlich höhere Exporte bei Käse, SMP, Milch/Sahne, Kondensmilch und Butter, während Molkenpulver leicht unter Vorjahr. Bemerkenswert ist die Erholung der Butterexporte und das anhaltende Wachstum bei SMP.

  • Käse: +6,1%
  • Magermilchpulver (SMP) +8,8% vs. Januar 2025,
  • Milch und Sahne: +19,6%
  • Molkenpulver: 3,1%
  • Kondensmilch +1,3%
  • Vollmilchpulver (WMP): +/ 0%
  • Butter (inkl. Butteröl in Butterwert): +20,0%

CHSchweiz

Als Reaktion auf die teilweise Marktöffnung für Milchprodukte, die vorwiegend den Käsesektor betraf hat die Politik während dreier Jahrzehnte die Milchpulverindustrie bevorzugt und den Käse dabei stiefmütterlich behandelt. Erst nachdem die beiden grossen Pulverhersteller gescheitert sind, ist man zur Einsicht gelangt, dass der Käse stärker gefördert werden muss.

Die Branche fordert von der Politik konkret:

  • Erhöhung der Verkäsungszulage, um den fehlenden Grenzschutz auszugleichen.
  • Entwicklung eines Direktzahlungssystems, das die Milchproduktion stärkt.
  • Keine Kürzungen bei den Massnahmen zur Absatzförderung für Schweizer Milchprodukte.

Die Absatzförderung ist nett gemeint, aber unserer privaten Einschätzung nach von begrenzter Wirkung. Unsere Empfehlung: Diese Mittel konsequent in die Förderung der silofreien Milchproduktion (Blumenwiesenmilch) umlagern. Diese ist die Grundlage der exportfähigen Schweizer Käsekultur. Wer den Käsesektor wirklich stärken will, investiert in die Rohstoffqualität, nicht in Werbung.

Die Milchkrise, eine strukturelle Überproduktion seit Oktober 2025, belastet derzeit sowohl den Markt als auch die politische Diskussion erheblich. Man hat folgendes operatives Reaktionspaket beschlossen:

  • Senkung des A-Richtpreises um 4 Rappen (Februar 2026),
  • Deckelung der Milchanlieferung auf 105%,
  • Exportbeiträge für 4'855 Tonnen Butter und 2'000 Tonnen Rahm
  • Appell an den Handel, mehr Schweizer Milchprodukte ins Sortiment aufzunehmen.

Das Grundproblem liegt tiefer: Die Politik reagiert. Sie agiert nicht. Eine vorausschauende Käsestrategie wäre längst möglich gewesen.

Empfehlungen:

Die Unsicherheit nimmt aufgrund des Krieges im nahen Osten zu.

Q1 2026 Empfehlung abgeschlossen – Positionen sollten per Ende März gerollt sein.

Q2 2026

  • Gouda / Schnittkäse: stabil steigende Tendenz
  • Mozzarella: stabil, steigende Tendenz
  • Cagliata: stabil, steigende Tendenz
  • SMP: leicht fester unsichere Entwicklung
  • Butter: Butter: volatil, im Moment eher schwächer, längerfristig stabil.
  • Molkenproteine: fester (WPC80 und WPI sehr gefragt)
  • WMP: stabil

Q3 2026 (eher stabil wie in den Vorjahren.)

  • Gouda / Schnittkäse: stabil, im September Schwächephase möglich
  • Mozzarella: stabil, im September Schwächephase möglich
  • Cagliata: stabil, im September Schwächephase möglich
  • SMP: leicht fester, im September Schwächephase möglich
  • Butter: bliebt volatil aber in der Grundtendenz eher stabil
  • Molkenproteine: leicht fester (WPC80 und WPI sehr gefragt)
  • WMP: stabil, im September Schwächephase möglich

Q4 2026

Faktoren für steigende Preise:

  • Gute Nachfrage
  • Tiefe Lager
  • Hohe Nachfrage nach Molkenproteinen

Risiken:

  • Hoher Kuhbestand in Neuseeland
  • Schwacher USD
  • Ähnliche Milchkurve wie 2025 in der EU
  • In den letzten Jahren ab Oktober meist sinkende Preise

Empfehlung

  • Q2 2026: Bei Dips Absichern der Restmengen.
  • Q3 2026: Das aktuelle Preisniveau macht eine Absicherung unattraktiv. Einzig bei Dips Absichern der Restmengen. Im September sind fallende Preise möglich.
  • Q4 2026: Klare Nicht-Empfehlung zur Absicherung – erst Q3-Entwicklung abwarten. Das Downside-Risiko wird als grösser eingeschätzt als das Upside-Potenzial. Wer trotzdem Q4‑Risiko reduzieren will, sollte höchstens kleine Volumen über Optionen/Staffeln absichern.

Strategischer Ausblick – «Strategie schlägt Opportunismus»

Die Milchmengen werden 2026 möglicherweise nur noch moderat wachsen und 2027 eventuell wieder rückläufig sein. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, die Lieferantenbasis langfristig abzusichern, um bei knapper Produktion lieferfähig zu bleiben.

Ob Hersteller oder Verarbeiter – wir bringen Marktkenntnis, verlässliche Partnerschaften und Schweizer Qualitäts-Expertise, damit Ihr Geschäft wächst.

Wir sind für Sie vor Ort – unsere Messepräsenz 2026

  • Tutto Food Milano 11.–14. Mai 2026
  • Salon du Fromage, Paris – 7.–9. Juni 2026
  • Sommer Fancy Food 28. – 30. Juni 2026
  • Sial, Paris – 17. - 21.– Oktober 2026
  • World Cheese Award, Cordoba 12. November 2026
  • Marca Bologna: 13 - 14 Januar 2027

Gönnen Sie sich einen echten Schweizer Blumenwiesenkäse aus Rohmilch, nicht nur ein Genuss, sondern auch ein kleines Stück Lebensfreude für die Seele.

Herzliche Grüsse, Affineur Walo

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